Ist die Direktvermarktung der Urproduzenten (Bauern, Gärtnern) regional erzeugter Bio-Frischerzeugnissen in Hofläden und über Märkte noch zu retten?

.Die Rahmenbedingungen für die Direktvermarktung von frischen Bioprodukte haben sich, trotz erheblicher Umsatzzuwächse im gesamten “Biomarkt”, verschlechtert. So beobachte ich in der Region Westfalen, dass sich immer mehr Betriebe in kommunaler Trägerschaft (Service GmbH für Langzeitarbeitslose) mit der Vermarktung von Biolebensmittel beschäftigen.
Ursprünglich als Gärtnerei oder landwirtschaftliche Betriebe gegründete Massnahmen generieren mittlerweile weit über die Hälfte ihrer Umsätze über Handelsprodukte. Einige dieser Betriebe sind so expansiv ausgerichtet, dass sie regional eine marktbeherrschende Position erreicht haben:z.B.: Werkhof Dortmund.
Damit stehen diese Betriebe in direkter Konkurrenz zu den kleinen und mittleren Bioanbau-Betrieben. Erwirtschaftet werden deren Erträge nicht mit dem Anbau ihrer Produkte. Diese Betriebe benötigen die gesamte Wertschöpfungskette der Handelsstufen Wochenmärkte, Abokisten-Service und Onlineshop um zu überleben.
Zur Zeit kämpfen mehrere kleine Bioanbau-Familienbetriebe um ihr überleben. Diese haben mit Sicherheit keine Angst vor privaten Mitbewerbern. Aber den Wettbewerb mit den kommunalen Service GmbHs können die Familienbetriebe nicht gewinnen.
Begründung:
Die gesetzlichen Rahmenbedingungen für kommunale Service GmbHs haben sich in den letzten Jahren verbessert. Diese können sich jetzt wie private Anbieter am Markt behaupten. (Für Fachleute: Grünbau-Urteil).
Die einzige Möglichkeit sich gegen diese Betriebe zu wehren besteht im Wettbewerbsrecht: Marktbeherrschende Position, Preisdumping etc. Das ist nur in einer Einzelfallprüfung möglich.
Wie sind die kleinen Biobetriebe organisiert?
Die meisten gehören einem Anbauverband an. Diese wachen über die Einhaltung ihrer Anbaubedingungen. Die Verbände wollen oder können die kleinen Betriebe wettbewerbsrechtlich nicht unterstützen. Für einige Verbände bestehen auch Interessenkonflikte: Sie sind massgebliche Gesellschafter von Bio-Grosshandelsbetrieben.
Die einzigen Organisationen die hier eventuell helfen könnten sind die Industrie und Handelskammern und Einzelhandelsverbände. Diese werden aber nur für ihre Mitglieder tätig.
Fazit für die Betriebe:
Wenn ein landwirtschaftlicher Betrieb auf biologische Landwirtschaft umstellen möchte und über die Direktvermarktung den Grossteil seiner Erträge generieren wird, hat er keine Zukunft!
Für die bestehenden Biobetriebe wird wohl nur der politische Weg über die Mandatsträger bleiben.
Fazit für den Verbraucher:
Für den, der sich für Bio-Lebensmittel entscheidet, wird die Kaufentscheidung noch unübersichtlicher. Bei den meisten Biokunden fliessen auch ethisch-moralische Kriterien in die Kaufentscheidung ein.
Wie kann der Verbraucher handeln?
Wenn Bioerzeugnisse: Aus regionaler Urproduktion von den direktvermarktenden Familienbetrieben. So tragen Sie zur Vielfalt des Anbaues, Sicherung des ländlichen Raumes und nicht zuletzt zum Erhalt unserer westfälischen Kulturlandschaft bei. Sonst verkommt unsere Landschaft weiter zur energiewirtschaftlichen Zone mit Turbomais, Dieselraps und Windparks und Biogasanlagen.