Kohle mit und in Lebensmittel Detox?

Losgetreten hat den Unfug eine geschäftstüchtige Schauspielerin: Oscarpreisträgerin Gwyneth Paltrow ließ Kohlenstaub in Limonade rühren und verkauft den Liter “mit aktivierter Holzkohle” für knapp 20 Dollar. Die macht jetzt richtig “Kohle”. Die süße Plörre soll im Gegenzug das schmuddelige Innenleben des Käufers reinigen. Weil Gelangweilte stets nach neuen kulinarischen Marotten gieren, werden nun auch bei uns alle möglichen Speisen geschwärzt – zum Beispiel mit künstlichem Brilliantschwarz. Hauptsache Entgiftung, Hauptsache Detox.

Warum wird zur Zeit der Begriff Detox bei Lebensmitteln  und Nahrungsergänzungen so stark strapaziert?

Es ist fraglich, ob in Miss Paltrows schwarzer Detox-Limo wirklich Aktivkohle schwimmt, denn die ist in den USA nur als technischer Hilfsstoff, nicht aber zum Färben zulässig. Aktivkohle ist außerdem kein brauchbarer Farbstoff – im Gegenteil, sie wird zum Entfärben zugesetzt, zum Beispiel von Weißwein oder weißem Rum; bei Bier und Wodka darf sie Fuselalkohole und Fehlgerüche absorbieren, in Schuheinlagen den Schweiß. Aktivkohle entfernt Schadstoffe aus Trinkwasser und Speiseöl. Nach Gebrauch wird sie recycelt oder mitsamt den Schadstoffen verbrannt.
An der bayerischen Ost-Grenze haben hemdsärmelige Bauern in der Räucherkammer statt Buchenholzscheiten abgefahrene Autoreifen verbrannt. Innerhalb von 45 Sekunden waren die Schinken rabenschwarz. Die Touristen freuten sich über die regionale Spezialität direkt vom Erzeuger. Heute gehören diese sogenannten “Pirellischinken” der Vergangenheit an.
Pirelli- Schinken?
Ich kenne nur den Pirelli-Kalender.
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Übrigens:  Bei “Spitzenköchen”ist auch schwarzes Hawaisalz zur Zeit angesagt: Natriumchlorid mit medizinischer Kohle. Zur Vorbeugung gegen Montezumas Rache? Verdorbene Lebensmittel in der Küche?